"Migration und ,Heimatrecht': Herausforderungen muslimisch gepragter Zuwanderung nach Deutschland".

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Author: Abdelghafar Salim
Date: Apr. 2020
From: Hikma(Vol. 11, Issue 1)
Publisher: Brill Deutschland GmbH
Document Type: Article
Length: 2,113 words

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Jahrestagung "Migration und ,Heimatrecht': Herausforderungen muslimisch geprägter Zuwanderung nach Deutschland", organisiert von der Gesellschaft für Arabisches und Islamisches Recht (GAIR), 25.-26. Oktober 2019, Göttingen

Vom 25. bis 26. Oktober 2019 fand im Tagungszentrum an der Sternwarte der Georg-August-Universität Göttingen die Jahrestagung der Gesellschaft für Arabisches und Islamisches Recht (GAIR) statt. Oberthema der Veranstaltung war "Migration und ,Heimatrecht': Herausforderungen muslimisch geprägter Zuwanderung nach Deutschland". Konzeptionell sollte unter diesem Oberthema über die reine Anwendung von Fremdrecht im deutschen Recht hinaus der Bezug auf die Ausgangsrechte in den arabisch-islamischen Ländern hergestellt werden. Dabei legte man auch einen besonderen Wert darauf, dass explizit anhand von Fällen in Deutschland der Blick in die arabische/islamische Region gerichtet werde, um Problemen der Interferenz auf die Spur zu kommen. So ging man der Frage nach, wie die Einwanderung von Menschen aus islamisch geprägten Ländern des Nahen und Mittleren Ostens die deutsche Rechtsprechung im Speziellen und auch die entsprechend rechtlich geprägte gesamtgesellschaftliche Diskussion in Deutschland im Allgemeinen beeinflusst hat. Daran anknüpfend ging man Fragestellungen nach wie "Vor welche besonderen Probleme wurden deutsche Gerichte gestellt?" oder "Welche Rechtsprobleme wurden in diesem Zusammenhang in der deutschen Gesellschaft diskutiert?" und "Wie wurden sie diskutiert?". Hintergrund dieser die thematische Ausrichtung unterstützenden Fragestellungen sei, so die Prämisse, unter anderem, dass hierzulande oft noch eine problematische Sicht auf "die Scharia" viele Diskussionen beherrsche, obwohl im internationalen Privatrecht im Allgemeinen auf kodifiziertes Recht zurückgegriffen werden könne. Aber auch die Unzugänglichkeit lokaler Rechte in den Herkunftsländern, die Intersektion mit spezifisch ausgeprägten örtlichen Gewohnheitsrechten Vorort und gegebenenfalls die Unerreichbarkeit dortiger Gerichte stelle nicht nur die deutschen Gerichte, sondern auch konsultierte Wissenschaftler/innen zuweilen vor nicht unerhebliche Probleme. Wie kann man, so eine weitere der im Vorfeld und im Verlauf der Tagung aufgeworfene Fragestellung, eine Zusammenarbeit mit arabischen Gerichten erfolgen? Da für die adäquate Beantwortung zahlreicher Fragestellungen auch eine rechtspraktische und rechtspolitische Expertise notwendig sei, hatte man in der Konzeption der Tagung offensichtlich groBen Wert darauf gelegt, dass insbesondere auch Einblicke von Rechtspraktiker/innen gewährt wurden, welche sich oft in der schwerpunktmäBigen wissenschaftstheoretischen Beschäftigung nicht erschlieBen lassen.

Nachdem die Tagung von der Organisatorin und Vorstandsvorsitzenden der GAIR, Irene Schneider (Georg-August-Universität Göttingen), eröffnet worden war, leitete sie das erste Panel der zweitägigen Konferenz ein. In diesem thematischen Konferenzblock widmete man sich dem Thema "AuBergerichtliche Konfikt-regulierung in Forschung und Rechtspraxis". Die thematische Einführung erfolgte durch den Mitorganisator der Tagung und zweiten Vorstandsvorsitzenden, Hatem Elliesie (Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung), mit dem Vortrag "Wie begegnet die Rechtsforschung und -praxis auBergerichtlicher Konflikt-regulierung nahöstlich geprägter Bevölkerungsgruppen". Er erläuterte zunächst, weshalb der von Justiz, Politik und der damit einhergehenden gesellschaftlichen Debatte verwendete Begriff "Paralleljustiz" unreflektiert verwendet werde. Dieser Begriff, oft mit dem Zusatz "islamisch", sei in dem, was man zu umschreiben versuche, nicht zutreffend. Dabei führte Elliesie überzeugende rechtstheoretische Argumente auf, die er mit empirischem Datenmaterial unterlegte. Er plädierte dafür, dass man zumindest im wissenschaftlichen Diskurs den semantisch neutraleren Terminus "auBergerichtliche Konfliktregulierung" verwenden solle. Anders als "Streitbei legung" oder "Streitschlichtung" antizipiere "Konfliktregulierung" kein auflösendes Ergebnis, sondern nehme zunächst den Prozess in den Blick, ohne voreilig eines der möglichen...

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Salim, Abdelghafar. "'Migration und ,Heimatrecht': Herausforderungen muslimisch gepragter Zuwanderung nach Deutschland'." Hikma, vol. 11, no. 1, 2020, p. 108+. Accessed 11 Apr. 2021.
  

Gale Document Number: GALE|A622370185